von links: Gabi Weishaupt und ihre Nachfolgerin Sandra Huber. z.V.g.
27.10.2021 07:05
«Es war Liebe auf den ersten Blick»
Gabi Weishaupt hat das Ronald McDonald Haus von Anfang an begleitet
Seit Eröffnung des Ronald McDonald Hauses im Jahr 2005 beherbergten die Mitarbeitenden in St.Gallen über 5000 Familien. Gabi Weishaupt hat als Hausleiterin diese Zeit mit Engagement und Leidenschaft geprägt und viele bewegende Geschichten miterlebt. Nun wird sie nach knapp 17 Jahren als Hausleiterin in den Ruhestand gehen.
Elternhaus «Der Abschied fällt mir nicht leicht. Es war ein langer, schmerzhafter Prozess bis ich soweit war, loszulassen. Das Elternhaus ist wie ein Kind für mich und ich habe es von der Geburt bis in die Pubertät begleitet», erzählt Gabi Weishaupt. Sie wisse aber, dass das Haus in guten Händen sei und ist überzeugt, dass ihre Nachfolgerin Sandra Huber dieselbe Philosophie teile und das Haus mit grossem Einfühlungsvermögen in die Zukunft führen werde. Am meisten habe ihr die Abwechslung im Beruf gefallen, erzählt Weishaupt: «Man weiss nie, was auf einen zukommt. Ein Tag kann von extrem traurig bis sehr hektisch sein - je nach Notfällen, die eintreffen.» Auch das Fundraising habe ihr sehr gefallen. «So viele Menschen unterstützen mittlerweile unsere Mission mit einem kleineren oder grossen Betrag. Das motiviert uns und macht mich sehr dankbar.»
«Es ist ein Herzensjob»
Doch die Unterstützung sei nicht von Anfang an da gewesen: «Es war eine grosse Herausforderung, das Elternhaus in den ersten Jahren bekannt zu machen. Die Zusammenarbeit mit dem Ostschweizer Kinderspital mussten wir von Grund auf aufbauen und die betroffenen Eltern machten wir auf die Möglichkeit «Zuhause auf Zeit» aufmerksam.» Mittlerweile kenne man das Ronald McDonald Haus und viele Eltern würden das Angebot in Anspruch nehmen. Damals hatte Weishaupt das Glück, aus sehr vielen Bewerbungen für diese Ausgabe ausgewählt worden zu sein, wie sie selbst erklärt. «Es war Liebe auf den ersten Blick, als ich das altehrwürdige Bedahaus zum ersten Mal sah. Für mich ein Traumjob - ein kleines Unternehmen mit sozialem Charakter zu führen, entspricht mir zu 100 Prozent», erklärt Weishaupt, welche zuvor mit ihrem Mann 20 Jahre lang eine Schreinerei geleitet hatte. Die Arbeit sei sehr vielfältig und reiche von der Haushaltshilfe über die Hausmutter bis zur Managerin.
Traurige und glückliche Erlebnisse
Doch zur Arbeit von Gabi Weishaupt gehören nicht nur schöne Arbeiten: «Ich erinnere mich an einige traurige und traumatische Momente. Es sind natürlich besonders die Todesfälle, welche grosse Betroffenheit auslösen. Ein Kind zu verlieren ist wohl der schlimmste Schicksalsschlag und ich glaube, man kann es nie ganz überwinden.» Sie habe aber stets versucht, Zuversicht aufzubauen: «Manchmal schenkt man einfach ein Lächeln oder ein paar liebe Worte. Im Elternhaus sind nämlich die Eltern im Mittelpunkt und nicht das kranke Kind. Wir geben unser Bestes, dass es den Eltern den Umständen entsprechend gut geht, sodass diese bei uns wieder Ruhe und Kraft fürs Kind im Spital tanken können.» Natürlich lasse es sich aber nicht vermeiden, dass gewisse Schicksale einen beschäftigen: «Doch es ist mir immer gut gelungen, mich abzugrenzen. Ansonsten wäre diese Arbeit nicht möglich.» Weiter möchte sie die Zusammenarbeit im Team und das grosse Freiwilligenteam herausheben: «Es war eine grosse Bereicherung für mich. Die Frauen aus den verschiedensten Bereichen haben ein grosses Know-how ins Haus gebracht. Ich persönlich konnte viel von ihnen profitieren, sie haben mich entlastet und unterstützt. Ihnen gebührt ein grosser Dank.»
Zeit im Ruhestand
Wie Weishaupt die Zeit im Ruhestand verbringen wird, möchte sie noch nicht verplanen: «Ich lasse es auf mich zukommen. Ich freue mich aber besonders auf mehr Zeit mit meinen drei Enkelinnen.» Auch wolle sie bald ihre Patentochter in Mauritius besuchen, welche dort als Tauchlehrerin arbeitetet: «Mein Mann und ich sind beide begeisterte Taucher», freut sich Weishaupt.
Von Cynthia Sieber