Peter Olibet will in den Stadtrat
Der Jugendheimleiter und langjährige SP-Parteipräsident will in den St.Galler Stadtrat. Er bringt Führungserfahrung und politischen Rückhalt mit. Nun muss er über die eigene Partei hinaus überzeugen.
Peter Olibet will für die SP in den St.Galler Stadtrat. Bild: SP Stadt St.Gallen
Der Jugendheimleiter und langjährige SP-Parteipräsident will in den St.Galler Stadtrat. Er bringt Führungserfahrung und politischen Rückhalt mit. Nun muss er über die eigene Partei hinaus überzeugen.
Kandidatur Peter Olibet begleitet beruflich junge Menschen auf dem Weg in die Selbstständigkeit. Jetzt strebt der Leiter der Institution Hölzli in Hundwil selbst eine neue Rolle an: Der 50-Jährige will in die St.Galler Stadtregierung. Seine Partei hat ihm dafür kürzlich einen klaren Auftrag gegeben: 109 von 182 Stimmen erhielt er an der SP-Nominationsversammlung – die Entscheidung fiel bereits im ersten Wahlgang. Damit hat Olibet Alexandra Akeret und Chompel Balok im ersten Wahlgang bereits hinter sich gelassen.
Olibet ist kein Neuling, den die Sozialdemokraten erst kennenlernen mussten. Seit 2015 sitzt er im Stadtparlament, von 2015 bis 2025 führte er die Stadtpartei, zunächst als Präsident, später im Co-Präsidium. Sein beruflicher Weg führt durch verschiedene St.Galler Milieus: Der ausgebildete Primarlehrer war kantonaler SP-Sekretär, Verlagsleiter des Kulturmagazins «Saiten» und Co-Leiter des Kinderangebots tiRumpel.
«Keine Politik für die Galerie»
Das soziale Engagement hat auch eine persönliche Vorgeschichte. Olibet wuchs als leiblicher Sohn in einer heilpädagogischen Grossfamilie auf; später nahm er selbst mit seiner Partnerin Pflegejugendliche auf. Heute führt er eine Institution, die Jugendliche und junge Erwachsene in anspruchsvollen Lebenssituationen unterstützt. Wer seinen Lebenslauf betrachtet, erkennt darin einen roten Faden: organisieren, begleiten, Verantwortung übernehmen. Dies passt zum Satz, der Olibet gegenüber der Tageszeitung einst sagte: «Ich mache keine Politik für die Galerie.»
Politisch setzt Olibet auf eine Stadt, die sich einmischt. An der Nominationsversammlung verlangte er eine aktivere Bodenpolitik für bezahlbare Wohnungen, mehr Begegnungsmöglichkeiten gegen die Einsamkeit im Alter und mehr Bäume und entsiegelte Plätze gegen die Sommerhitze. Es sind Themen, die soziale Fragen mit der konkreten Gestaltung der Stadt verbinden.
Würdigung der Stadtpräsidentin
Dabei kennt Olibet nicht nur die eigene Parteiwelt. Im Februar reichte er mit SVP-Stadtparlamentarierin Karin Winter-Dubs einen Vorstoss zur Förderung von Vorsorgeaufträgen ein. Unterstützung für seine Kandidatur erhält er auch von Stadtpräsidentin Maria Pappa: Sie würdigte an der Versammlung seine Bereitschaft, die aufwendige, wenig sichtbare politische Arbeit zu übernehmen.
Die entscheidende Bewährungsprobe liegt allerdings noch vor ihm. Bereits die Parteibasis wollte wissen, wie aus dem parlamentarischen Kritiker ein Regierungsmitglied werden soll. Olibet antwortete mit einer Rollenteilung: Die
Partei müsse seine neue Aufgabe akzeptieren; Fraktion und Parlament sollten weiterhin als Korrektiv wirken.
Stärke ist auch seine Schwäche
Olibet ist kein unpolitischer Kandidat, sondern ein erfahrener Parteistratege. Das ist vermutlich seine grösste Stärke und zugleich seine mögliche Schwachstelle: Seine «direkte und dezidierte Art» hat ihm in der eigenen Partei Respekt verschafft, soll aber auch schon Genossinnen und Genossen «vor den Kopf gestossen» haben. Kritiker könnten ihm vorwerfen, dass er Konflikte gern öffentlich zuspitzt und als durchsetzungsstarker Taktiker parteipolitische Linien hart vertritt.
Ein Beispiel dafür ist der Streit um die Präsentation der ägyptischen Mumie Schepenese: Olibet nannte die Haltung des Stadtrats «mutlos und schwach». Stadtpräsidentin Maria Pappa widersprach ihm öffentlich; der Katholische Konfessionsteil warf ihm und Mitunterzeichnenden zudem vor, vor der Kritik kein Gespräch mit der Stiftsbibliothek gesucht zu haben. Für einen Exekutivkandidaten ist genau das die offene Frage: Kann Olibet seine kämpferische Handschrift in eine vermittelnde Regierungsrolle übersetzen – oder bleibt er vor allem der scharfe Parteipolitiker, der er jahrelang war?
Wahl ist am 28. Februar
Am 28. Februar 2027 muss er nun die Stimmberechtigten überzeugen, dass er diese Rolle ausfüllen kann. Dann wird die Nachfolge des zurücktretenden SP-Stadtrats Peter Jans gewählt. Den Rückhalt seiner Partei hat Olibet. Ob daraus ein Mandat für die ganze Stadt wird, ist dann aber eine ganz andere Frage.
Von Marino Walser
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