Florian Kobler
sorgt sich um den Mangel an altersgerechten Wohnungen im Kanton.
Zum 40-Jahr-Jubiläum von «Schule auf dem Bauernhof» lud der St.Galler Bauernverband auf den Hof der Familie Eberle in Wittenbach ein. Neben einer zweiten Klasse der Primarschule Wittenbach waren auch Vertreter aus Bildung und Medien sowie Regierungsrätin Bettina Surber zugegen.
Bildung «Dürfen wir sie halten?», fragt eine Schülerin einer zweiten Klasse der Primarschule Wittenbach, während sie auf eine Schar von Hühnern deutet. Ihre Klasse ist im Rahmen des Unterrichtsangebots «Schule auf dem Bauernhof» (SchuB) zu Gast auf dem Hof der Familie Eberle in Wittenbach. Dort darf die Klasse heute einen Blick hinter die Kulissen eines Bauernhofs werfen und unter anderem Hof-Tiere aus nächster Nähe begutachten. Aufgeteilt in zwei Gruppen können die Schülerinnen und Schüler Hühner füttern, Kühe streicheln und aus erster Hand erfahren, wo Milch und Eier herkommen. Doch nicht nur für die Kinder ist es ein besonderer Tag, denn auf dem Hof wird gerade das 40-Jahr-Jubiläum von «SchuB» gefeiert.
«Schule auf dem Bauernhof» ist ein Angebot, das sich schweizweit schon seit langer Zeit grosser Beliebtheit erfreut. Das Konzept entstand 1985. Es war ein Lehrer aus Biel, der sich damals für eine Zusammenarbeit zwischen Bauernhöfen und Schulen interessierte und sich nach geeigneten Adressen erkundigte. Aus seiner Idee, Schulklassen Wissen über die Landwirtschaft mittels eines Ausflugs auf einen Bauernhof zu vermitteln, entstand schliesslich das Unterrichtsangebot «Schule auf dem Bauernhof». Heute sind am Projekt rund 400 Bauernfamilien in der ganzen Schweiz beteiligt. Jährlich besuchen über 60'000 Kinder und Jugendliche schweizweit im Rahmen von «Schule auf dem Bauernhof» einen Landwirtschaftsbetrieb. Im Kanton St.Gallen wurde das Unterrichtsangebot 1996 vom St.Galler Bauernverband eingeführt. Auch hier ist das Angebot seitdem stetig gewachsen. 2004 nahmen im Kanton St.Gallen nur etwas mehr als 1’000 Schülerinnen und Schüler pro Jahr das Angebot in Anspruch. 20 Jahre später wurden im Kanton St.Gallen über 220 Anlässe durchgeführt, an denen insgesamt rund 4’000 Schülerinnen und Schüler teilnahmen.
Familie Eberle war im Kanton St.Gallen eine der ersten Familien, die sich an SchuB beteiligten. Bereits ein Jahr nach der Einführung wurde auf dem Hof die erste Hofführung mit einer Schulklasse durchgeführt, erzählt Erich Eberle, Landwirt und Betriebsleiter des Hofs in Wittenbach: «Damals führten meine Eltern noch den Hof. Seither hat sich zwar einiges geändert, die Neugier der Kinder ist aber immer noch dieselbe.» Laut Eberle werde das Unterrichtsangebot «SchuB» immer wichtiger. Wittenbach sei in den vergangenen 30 Jahren stark gewachsen und heute nicht mehr so ländlich wie früher. Auch der Anteil an Landwirten in der Bevölkerung hat abgenommen. 1985 lag der Anteil an Landwirten in der Bevölkerung noch bei etwa 4,5 Prozent, 40 Jahre später sind es noch zwei Prozent. Der Bezug zur Landwirtschaft habe abgenommen, meint Eberle: «Heute hat nicht mehr jeder einen Landwirt als Nachbarn oder im Freundeskreis. Gerade in Gemeinden wie Wittenbach, die nahe am städtischen Raum liegen, ist das Unterrichtsangebot ‘SchuB’ daher sehr wertvoll.»
Auf dem Hof der Familie Eberle zugegen ist auch Regierungsrätin Bettina Surber. Neben einem grossen Dank an den Bauernverband für die jahrelange Organisation des Unterrichtsangebots spricht sie zum Jubiläum vor allem auch ihre Wertschätzung für die vielen Bauernfamilien aus, die «SchuB» möglich machen. Welchen Wert das Angebot von «SchuB» hat, weiss sie aus eigener Erfahrung. «Ich bin in Wittenbach aufgewachsen und war als Kind auch mit meiner Klasse auf einem Bauernhof hier in der Gemeinde. Ich finde diese Erfahrung etwas sehr Wertvolles, denn auch wenn man als Kind hört, dass die Milch von der Kuh kommt, weiss man ja nicht genau, was das bedeutet. Hier kann man es mit eigenen Augen sehen und verstehen», so Surber. Schule auf dem Bauernhof sei mehr als nur eine Hofführung, meint Ruedi Thomann, Präsident des St.Galler Bauernverbandes. Es gehe um ein tieferes Verständnis für Kreisläufe, für den Ursprung unserer Lebensmittel und für die Bedeutung einer nachhaltigen, verantwortungsvollen Landwirtschaft. Viele Kinder wüssten heute nicht mehr, wie eine Karotte wächst oder wie viele Eier ein Huhn legt. Genau da setzt SchuB an. «Unser Ziel ist es, solches Wissen auf ehrliche, anschauliche und persönliche Weise zu vermitteln. Denn wer versteht, wie viel Arbeit, Sorgfalt und Verantwortung hinter einem Liter Milch oder einem Stück Brot steckt, geht anders damit um», so Thomann. Damit die Bauernfamilien ihr Angebot stetig weiter professionalisieren können, bietet der St.Galler Bauernverband regelmässig Weiterbildungskurse für die Landwirtinnen und Landwirte an.
Selim Jung
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