Ausserrhoden: Schulärztlicher Dienst wird neu organisiert
Der Kanton Appenzell Ausserrhoden organisiert den Schulärztlichen Dienst neu und holt sich mit das Ostschweizer Kinderspital an die Seite.
Der Kanton Appenzell Ausserrhoden organisiert den Schulärztlichen Dienst neu und holt sich mit das Ostschweizer Kinderspital an die Seite.
Gesundheitsversorgung Gemäss Gesundheitsgesetz sind die Gemeinden im Kanton Appenzell Ausserrhoden zuständig für die Organisation und Durchführung der schulärztlichen Untersuchungen. Ein solcher Schulärztlicher Dienst ist aber längst nicht mehr in allen Gemeinden vorhanden. Deshalb haben der Kanton und die Gemeinden in den vergangenen Monaten zusammen eine breit abgestützte Lösung erarbeitet, um eine zeitgemässe, qualitativ hochwertige und verlässliche Gesundheitsvorsorge für alle Lernenden zu gewährleisten. An der Pressekonferenz vom Donnerstag wurde diese neue Lösung vorgestellt: Ab dem Schuljahr 2026/27 erhalten die Lernenden am Ostschweizer Kinderspital (OKS) in St. Gallen eine umfassende Untersuchung mit einer medizinischen Empfehlung. «Es wurde für die Gemeinden immer schwieriger, Allgemeinmediziner für die schulärztlichen Untersuchungen zu finden – die Hälfte aller Gemeinden hatte keinen Schulärztlichen Dienst mehr. Die Untersuchung sind aber ein wichtiger Baustein in der Gesundheitsversorgung und Vorsorge», sagt Regierungsrat Yves Noël Balmer, Vorsteher des Departements Gesundheit und Soziales. Die Untersuchungen finden in der ersten Klasse sowie in der zweiten Oberstufe statt.
Entweder habe ein Kind Glück oder Pech, ob es die Untersuchung erhält – je nach dem in welcher Gemeinde es lebt. «Das kann nicht sein. Wir wollen eine Chancengleichheit für alle Kinder und Jugendlichen, ihr Wohl steht im Zentrum», betont Balmer. Viele Ausserrhoder Gemeinden verfügen nicht mehr über eine Hausarztpraxis, heute gibt es vermehrt Gemeinschaftspraxen. «Aber eine Hausarztpraxis ist ohnehin nicht dafür ausgelegt, den Schulärztlichen Dienst für mehrere Gemeinden abzudecken. Wir fragten uns also, ob wir den Schulärztlichen Dienst aus dem Gesetz streichen sollen, da es nicht mehr einhaltbar gewesen ist», sagt Balmer. Kanton und Gemeinden wussten: Alles oder nichts, aber eine Lösung musste her. «Wir sind dankbar, haben wir die langfristige Lösung mit dem Ostschweizer Kinderspital gefunden – denn es braucht den Dienst immer noch, zumal auch nicht alle Eltern einen fixen Kinderarzt haben», so Balmer. Ein grosser Vorteil sei – das man nun aus allen 20 Gemeinden Daten erheben könne. «Wir gewinnen über den ganzen Kanton hinweg wichtige Informationen, wie es um den Gesundheitszustand der Kinder und Jugendlichen steht – diese Datenlage ist repräsentativer. So können effektivere und zielgerichtetere präventive Massnahmen für die Gesundheitsförderung ergriffen werden», sagt der Regierungsrat. Es sei ohnehin wenig Geld für die Gesundheitsförderung vorhanden – so könne es dort eingesetzt werden, wo Daten ausschlagen – faktenbasiert und wissenschaftlich belegt. «Sollten Handlungsempfehlungen ausgesprochen werden, liegt es weiterhin im Ermessen der Eltern, ob sie etwas unternehmen wollen», sagt Balmer.
Mit dem OKS habe man nun einen Partner, der für alle 20 Gemeinden verfügbar sei und auch mit Schwankungen der Schulklassen-Grössen gut umgehen könne. Die Kinderpraxen im Kanton seien gleichzeitig nicht überlastet. «Kindermedizin ist ein wichtiges Gut und muss schnell verfügbar sein. Fallen für diese Praxen die Untersuchungen der Schulklassen weg, ist das gewährleistet», so Balmer. Das OKS sei spezialisiert und könnte eine bestehende Struktur nutzen sowie mit der Ärzteschafts des Kantonsspitals jederzeit in den Austausch gehen. «Wir können uns vorstellen, wenn das Modell Ausserrhoden gelingt, dass auch andere Kantone mit Kinderspitälern zusammenarbeiten», meint Balmer.
Auch der Gemeindepräsident von Waldstatt, Andreas Gantenbein, ist überzeugt, dass diese Lösung der richtige Weg ist. «Wir stehen hinter der Neuorganisation und die Schulleitungen zeigen sich ebenfalls erfreut.» Die Gesundheit der Kinder und Jugendlichen sei ein grosses Anliegen für Waldstatt. «So können ausserdem einen wertvollen Beitrag für die Prävention leisten und allfällige gesundheitliche Probleme frühzeitig erkennen», sagt Gantenbein. Auch in Waldstatt stand man vor grossen Herausforderungen, einen Schularzt zu finden. «Nun können wir die Untersuchungen wieder durchführen. Egal ob Urnäsch, Schönengrund oder Heiden – alle haben nun die gleichen Leistungen. Es sei eine gute Lösung für alle, aber vor allem für die Kinder. «Schulen müssen nur noch den Transport organisieren, die Gemeinden bleiben zuständig. Für Eltern ändert sich rein gar nichts», betont Gantenbein. Die Untersuchungen bleiben kostenlos. Für den Kanton wird es jedoch teuerer. «Die Tarifanpassung ist signifikant, dazu sind wir aber bereit, da wir wertvolle Gesundheitsdaten erhalten», meint Balmer. Der Kanton zahlt für die Gemeinden, diese müssen die Untersuchung aber jeweils in Rechnung stellen. Damit hält man die Gemeinden in der Verantwortung, die Durchführung zu organisieren.
Dr. med. Dirk Büchter, Facharzt für Kinder. und Jugendmedizin und leitender Arzt Adoleszenzmedizin am OKS, zeigt sich ebenfalls erfreut über die getroffene Vereinbarung des Kantons Ausserrhoden mit dem Kinderspital. «Als Kompetenzzentrum für Kinder- und Jugendmedizin und der Verbundenheit mit dem Kantonsspital können wir immer in den Austausch mit rund 30 Fachabteilungen treten, wenn eine andere Expertise gebraucht wird», so Büchter. Man sei dabei auf die Zusammenarbeit mit den Eltern angewiesen, das sei wichtig. «Ausserdem wollen wir Dinge gut erklären und einordnen, ohne Vorschriften zu machen», sagt Büchter. Das OKS wird im September in den Neubau ziehen, die Kinder werden künftig dort untersucht.
Stefanie Rohner
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