Ein Dorf zur selbstbewussten Stadt entwickelt
Die Trauergemeinde nahm in der Paulus-Kirche Abschied von Johann C. Krapf, dem prägenden Gossauer Gemeindeammann.
Immer gut aufgelegt: Johann C. Krapf. ⋌Bild: pd
Die Trauergemeinde nahm in der Paulus-Kirche Abschied von Johann C. Krapf, dem prägenden Gossauer Gemeindeammann.
Nekrolog In Form eines Abschiedsbriefes zeichnete eine Tochter des mit 81 Jahren Verstorbenen seinen Werdegang und seine menschlichen Qualitäten nach. Er erlebte eine glückliche Kindheit. Die Freiheit in der Natur und seine Mithilfe im Hof haben ihn geprägt. Die kaufmännische Ausbildung absolvierte er in der Gemeinde Mörschwil unter Gemeindeammann Franz Würth, wo er bereits erleben konnte, wie eine Gemeinde erfolgreich geführt wurde. Weitere berufliche Stationen waren Unterterzen und Waldkirch, wo er als Grundbuchverwalter wirkte.
Früh verlor Johann C. Krapf seine erste Frau, was für ihn alles andere als leicht zu bewältigen war. 1970 schlugen für ihn wieder die Hochzeitsglocken. Immer widmete er sich stark der Familie trotz seines verantwortungsvollen Jobs. Während seines ganzen Lebens war er sportlich tätig, was ihn fit hielt. Vor allem unternahm er ausgedehnte Wanderungen. Ein diesbezüglicher Höhepunkt war sicher die Teilnahme an einem Trekking in Nepal.
Wirken für das Gemeinwohl
Das Wirken für das Gemeinwohl hat ihn das ganze Leben begleitet. Er liebte aber auch die Geselligkeit, wo er seinen Humor entfalten konnte, überdies Konzert und Theater. Bis zuletzt blieb er ausgesprochen neugierig. Allerdings zwang ihn die Lungenkrankheit in allerletzter Zeit, sich zurückzuziehen.
Alt Regierungsrat Willi Haag würdigte an der Trauerfeier das politische Wirken von Johann C. Krapf umfassend. Als Vertreter der damaligen CVP wurde er 1976 zum Gemeindeammann gewählt, einem Amt, das er bis Ende 2000 ausübte. Zuletzt gelang es ihm, mit der Zusammenführung von Primarschulgemeinde und Politische Gemeinde die Schaffung der Einheitsgemeinde Stadt Gossau. Haag erinnerte sich, wie konzentriert, seriös und sorgfältig sein erster Chef in Waldkirch die Arbeiten erledigte. Solchem Wirken blieb er bei seiner politischen Tätigkeit jederzeit treu. Dies führte auch dazu, dass ihm als Gemeindeammann viele Projektentwicklungen glückten. Wichtig waren ihm auch die Gleichbehandlung der Bürger. In seiner Zeit wurden viele Infrastrukturen weiterentwickelt und geschaffen, wie beispielsweise der Bahnhof, das Fussweg- und Radnetz, der ÖV und der Fürstenlandsaal. Bei der Schaffung des Waffenplatzes Neuchlen-Anschwilen stand er zwischen zwei starken und auch emotionalen Lagern, verhielt sich auch hier professionell. Dass er bei den Erneuerungswahlen 87 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen konnte, unterstreicht seine Beliebtheit in der Bevölkerung.
Sehr aktiver Kantonsrat
1984 wurde Krapf in den Kantonsrat gewählt, wo er ebenfalls äusserst aktiv bis zu seinem Rücktritt 2000 war. Dass er nicht zu den Hinterbänklern gehörte, zeigt sich auch darin, dass er in nicht weniger als 48 Kommissionen lösungsorientiert mitwirkte und fünf präsidierte. Vier Jahre war er auch Präsident der wichtigsten ständigen Kommission des Kantonsrates, der Staatswirtschaftlichen Kommission. Sein Hauptinteresse galt den Tief- und Hochbauten, aber auch den Finanzfragen und der modernen Gesetzgebung. Seine Devise war immer, Lösungsvarianten zu entwickeln, genau zu prüfen und dann zu entscheiden.
Nach seinem Rücktritt als Gemeindeammann blieb er in manchen Gremien aktiv. Er war umsichtiger Verwaltungsratspräsident der Regiobus AG während nicht weniger als 30 Jahren, von 1989 bis 2019,
Präsident des Krankenpflegevereins Gossau, der Spitex Gossau und der Senioren des TSV Fortitudo. Die Stadt Gossau erklärt in der Mitteilung über Krapfs Ableben, Gossau verliere einen Mitbürger, Politiker und Menschenfreund mit grossem Herzen, viel Leidenschaft, Engagement und Tatkraft.
Seriös und bodenständig
Der Schreibende, der Johann C. Krapf während seiner ganzen Amtszeit journalistisch begleitete, erlebte ihn als äusserst seriöser Politiker ostschweizerischer Prägung. Er blieb bodenständig, eng mit der Bevölkerung verbunden, politisierte jedoch nie hemdsärmlig, war in hohem Masse gesetzestreu, ohne sich in den Gesetzesparagrafen zu verlieren. Indem er stets in einer gewissen Distanz zu seinen Aufgaben verharrte, vermochte er ohne Weiteres Kritiken zu verkraften, die an der Spitze einer Gemeinde immer zu erleben sind. Eindrücklich war, wie es ihm gelang, die Infrastrukturen stark zu verbessern, ohne die stets gesunde Finanzlage zu tangieren und die Steuerbelastung spürbar zu erhöhen. Dazu bei trug die Beseitigung von Hemmnissen für die einheimische Wirtschaft, die sich in seiner Amtszeit stark entwickelte und die für eine gute Finanzkraft sorgte. Nur eines störte ihn am Ende seiner Amtszeit, dass er das Verkehrsproblem nicht zufriedenstellend lösen konnte, wie er in einem Abschiedsinterview darlegte. Dieses Verkehrsproblem besteht heute noch.
Von Franz Welte
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