Die Igelpflegestation des Walter Zoos in Gossau SG blickt auf ein intensives Igeljahr 2025 zurück und hat insgesamt 284 Igel aufgenommen.
20.04.2026 10:00
Weniger Igel, gleich viel Arbeit
Die Igelpflegestation im Walter Zoo betreute 2025 weniger Tiere als im Vorjahr – der Pflegeaufwand blieb hoch
Die Igelpflegestation des Walter Zoo hat im Jahr 2025 insgesamt 284 Tiere aufgenommen. Damit liegt die Zahl unter dem Vorjahreswert von 336, bewegt sich aber weiterhin im langjährigen Durchschnitt. Entlastung brachte der leichte Rückgang allerdings nicht: Der Aufwand für Pflege und Betreuung blieb auf hohem Niveau.
Tierschutz Auffällig war insbesondere der saisonale Verlauf. Während in den ersten Monaten des Jahres nur wenige Igel eingeliefert wurden, nahm die Zahl der Fundtiere ab April deutlich zu. Ihren Höhepunkt erreichte die Station im Oktober. In dieser Phase werden häufig geschwächte erwachsene Tiere sowie untergewichtige Jungigel aufgefunden.
Verletzungen als häufigster Einlieferungsgrund
Wie bereits in den vergangenen Jahren waren Verletzungen die Hauptursache für eine Aufnahme. Rund ein Viertel der Tiere litt an Traumata – etwa durch Bissverletzungen, Gartenmaschinen oder den Strassenverkehr. Daneben stellten auch Verdauungsprobleme, Parasitenbefall und allgemeine Schwächezustände zentrale Herausforderungen dar. Einzelne Fälle verdeutlichen die Risiken im Siedlungsraum: So musste beispielsweise ein Igel mit schweren Verletzungen behandelt werden, die vermutlich durch Abfall oder Gartenmaterial verursacht wurden. Solche Vorfälle treten zunehmend häufiger auf.
Viele Tiere in kritischem Zustand
Ein grosser Teil der eingelieferten Igel befand sich bereits bei der Aufnahme in einem schlechten gesundheitlichen Zustand. Mehr als die Hälfte der Tiere überlebte die ersten 24 Stunden nicht – ein Hinweis darauf, wie entscheidend eine frühzeitige Hilfe ist. Die Auswilderungsquote lag bei rund 60 Prozent und damit im Bereich der Vorjahre. Besonders aufwendig gestaltete sich erneut die Betreuung verwaister Jungtiere: Neun Igel wurden von Hand aufgezogen, acht davon konnten später wieder in die Freiheit entlassen werden.
Beratung bleibt wichtiger Pfeiler
Neben der praktischen Pflege spielt die Aufklärungsarbeit eine zentrale Rolle. Im Jahr 2025 führte die Station über 1200 Telefongespräche mit der Bevölkerung. Das grosse Interesse zeigt, wie präsent das Thema Igelschutz ist. Die Anfragen betrafen häufig das Verhalten von Igeln, den Umgang mit Jungtieren, die richtige Fütterung sowie die Gestaltung naturnaher Gärten. Diese Beratung trägt dazu bei, Fehlentscheide zu vermeiden und den Schutz heimischer Wildtiere zu stärken.
Gefahren im Siedlungsraum bleiben bestehen
Die Erfahrungen der vergangenen Jahre zeigen deutlich, dass Igel in besiedelten Gebieten zahlreichen Risiken ausgesetzt sind. Verkehr, Gartenmaschinen und der Verlust geeigneter Lebensräume zählen zu den grössten Gefahren. Die Igelpflegestation des Walter Zoo will ihre Arbeit deshalb weiterhin auf mehrere Schwerpunkte ausrichten. Dazu gehören die medizinische Versorgung verletzter Tiere, die Sensibilisierung der Bevölkerung, die Förderung igelfreundlicher Lebensräume sowie die Zusammenarbeit mit Fachstellen.
Engagement und Unterstützung entscheidend
Der Betrieb der Station ist nur dank des Einsatzes von Mitarbeitenden und freiwilligen Helferinnen und Helfern möglich. Der Zoo spricht ihnen ebenso seinen Dank aus wie den unterstützenden Organisationen. Finanziell trägt unter anderem der freiwillige Artenschutzfranken der Zoobesuchenden zur Arbeit bei. Für den langfristigen Betrieb bleibt die Station jedoch auf zusätzliche Spenden angewiesen, um auch künftig verletzten und geschwächten Igeln eine professionelle Pflege und eine zweite Chance zu ermöglichen.
sj/pd