Marode Stahlträger: Hallenbad Blumenwies wird teurer als geplant
Marode Stahlträger verzögern den Umbau des Hallenbads Blumenwies: Wiedereröffnung erst im August 2028 und Mehrkosten von 1,4 Millionen Franken.
So wird das neue Hallenbad Blumenwies aussehen. Schwimmbegeisterte müssen sich aber neun Monate länger bis zur Eröffnung gedulden. Der Grund: marode Stahlträger. ⋌Bild: Stadt St.Gallen
Marode Stahlträger verzögern den Umbau des Hallenbads Blumenwies: Wiedereröffnung erst im August 2028 und Mehrkosten von 1,4 Millionen Franken.
Verzögerung Viel ist vom alten Hallenbad Blumenwies nicht mehr zu sehen. Denn seit einem Jahr ist die Stadt dabei, das Hallenbad im Osten der Stadt zu erneuern und zu erweitern. Geplant war, das Hallenbad Ende 2027 für die Bevölkerung wiederzueröffnen. Daraus wird nun aber nichts. Der Umbau des Hallenbads Blumenwies dauert länger und wird teurer als geplant.
Grund sind Probleme am Stahlbau der alten Schwimmhalle, die beim Baustart niemand kommen sah. Das teilten die beiden Stadträte Markus Buschor und Mathias Gabathuler am Freitag mit. Die Stadt St. Gallen rechnet wegen des Stahlbaus mit zusätzlichen Mehrkosten von 1,4 Millionen Franken. Das Geld deckt die Reserve im Projektbudget. Die Wiedereröffnung verschiebt sich deshalb von November 2027 auf August 2028.
Acht Millionen Franken teurer
Der ursprüngliche Kredit für das «Waikiki»-Projekt lag bei 45,837
Millionen Franken. Mittlerweile rechnet die Stadt mit Gesamtkosten von 53,858 Millionen Franken. Es ist eine Differenz von rund 8 Millionen Franken. Der grösste Teil davon hat aber nichts mit dem Stahlbau-Ärger zu tun. Denn: 7,283 Millionen Franken entfallen auf die Bauteuerung, weil sich der Baukostenindex zwischen 2019 und 2023 deutlich nach oben bewegt hat.
Weitere 754'600 Franken gehen auf eine Mehrwertsteuer-Erhöhung und generell höhere Baukosten zurück. Das geht aus der Präsentation hervor, welche die Stadt den Medien zukommen liess. Diese Anpassung wurde bereits vor den aktuellen Stahlbau-Problemen budgetiert.
Was die Stadt tatsächlich neu und zusätzlich belastet, ist die eingangs erwähnte 1,4-Millionen-Position für den Stahlbau. Sie wird aus der Reserve für Unvorhergesehenes bezahlt, die ursprünglich 5,768 Millionen Franken umfasste. Davon sind nach diversen Rückschlägen nur noch 2,6 Millionen Franken übrig.
Diverse Rückschläge
Seit den Sommerferien 2025 laufen die Bauarbeiten am «Waikiki»-Projekt. Zunächst hielt der Zeitplan. Dann kamen die Rückschläge: belasteter Aushub mit Neophyten, grosse Flächen mit asbesthaltigem Plättlikleber. Diese beiden Probleme kosteten die Stadt bereits 348 000 Franken aus der Reserve. Dazu kamen eine Ozonstufe bei allen Anlagen für 220 000 Franken und eine Unterwasserüberwachung für 230 000 Franken. Im März 2026 folgte dann der grösste Befund: Die Stahlkonstruktion der alten Halle war ungenügend gegen Korrosion – also gegen Rost – geschützt.
Der Fehler liegt in der Planung vor dem Wettbewerbsverfahren. Ein Zustandsbericht aus dem Jahr 2018 hatte die Trägerkonstruktion als in gutem Zustand eingestuft, gestützt auf visuelle Prüfungen, die seit zwanzig Jahren alle fünf Jahre durchgeführt wurden. Die Stadt entschied darum, die bestehenden Stahlträger und Trapezbleche weiterzuverwenden. Dies aus Kostengründen und für die Nachhaltigkeit, wie die Stadt schreibt. Erst die Ausschreibung für den Stahlbau im Dezember 2024 unterschätzte den nötigen Schutzumfang für die Träger. Die Bauarbeiten zeigten schliesslich: Der Korrosionsschutz muss strenger ausfallen als angenommen, und auch die Trapezbleche sind stärker verrostet als gedacht.
Zwei Varianten, eine Wahl
Die Stadt prüfte deshalb zwei Lösungen.
Lösung 1: Die Träger könnten vor Ort unter einem Notdach instandgesetzt werden. Das wäre um 2,24 Millionen Franken teurer und würde andere Bauarbeiten blockieren.
Lösung 2: Oder die Träger werden ausgebaut, im Werk neu beschichtet und wieder eingebaut. Kostenpunkt: 1,4 Millionen Franken.
Die Stadt entschied sich für die zweite, günstigere Variante. Sie bringt zusätzlich laut Stadt einen positiven Nebeneffekt: Das neu aufgebaute, leichtere Flachdach lässt zusätzlich eine Photovoltaikanlage von rund 350 Quadratmetern zu, die ursprünglich nicht vorgesehen war.
Längere Bauzeit
Nebst den Mehrkosten kommt es aber auch zu Verzögerungen am Bau. Verursacht wird dieser durch mehrere Faktoren. Diese setzen sich wie folgt zusammen: eine Woche für zusätzliche Sicherheitsmassnahmen, vier Wochen für den Asbest-Rückbau und ein bis zwei Wochen für die Aushubarbeiten wegen der Neophyten.
Am stärksten schlagen aber zwei Punkte zu Buche: fünf bis sechs Wochen, weil die Schwimmbecken neu in Beton statt in vorgefertigten Tanks gebaut werden, und sieben bis acht Wochen für den Korrosionsschutz am Stahlbau.
Die Eröffnung erfolgt laut der Stadt deshalb gestaffelt. Vor den Sommerferien 2028 testen Wassersportvereine das neue Becken. Im August 2028 öffnet das Bad für alle. Mit dem Schuljahr 2028/29 startet das Schulschwimmen.
Bevölkerung muss in andere Bäder
Bis dahin weichen Badegäste, Vereine und Schulen auf die Freibäder, das Volksbad mit längeren
Öffnungszeiten und umliegende Hallenbäder aus. Im Winter 2026/27 steht zusätzlich das «Winterbad Lerchenfeld» zur Verfügung. Es wird eine Traglufthalle über dem 50-Meter-Becken im Freibad Lerchenfeld aufgestellt. Die erste Saison 2025/26 sei stabil verlaufen und gut genutzt worden, so die Stadt. Der Start der nächsten Saison ist für Mitte Oktober 2026 geplant.
Das Stadtparlament hat die Traglufthalle bisher für zwei Wintersaisons bewilligt. Weil sich der Bau des
Hallenbads Blumenwies nun verzögert, beantragt der Stadtrat eine dritte Saison für den Winter 2027/28.
Dafür braucht es einen Nachtragskredit von rund einer halben Million Franken.
Das St. Galler Stimmvolk hatte das «Waikiki»-Projekt Ende September 2022 mit 71 Prozent angenommen. Auf dem heutigen Parkplatz entsteht ein Erweiterungsbau mit neuem Schwimmbecken – 13 Bahnen à 25 Meter – sowie ein neuer Eingang mit Garderobentrakt. Die bestehende Schwimmhalle wird saniert, der heutige Eingangsbereich rückgebaut. Der neue Parkplatz kommt auf die Ostseite des Areals.
Von Marino Walser
Lade Fotos..