Elmar Hardegger
sieht beträchtliches Sparpotential bei EspelLiegenschaften.
Kürzlich gab der Schweizerische Baumeisterverband bekannt, dass die Bautätigkeit im ersten Quartal 2025 mit 4,7 Milliarden Franken ein kleines Plus von 0,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr erreichte. Auch in der Ostschweiz ist eine leichte Zunahme zu verzeichnen. Die Ertragslage sieht dagegen gemäss René Engetschwiler keinesfalls rosig aus.
René Engetschwiler, wie entwickelt sich die Bautätigkeit in der Ostschweiz?
Sie lag vom Umsatz her leicht über dem Vorjahresquartal. Der gegenwärtige Arbeitsvorrat für das Jahr 2025 lässt hoffen, dass die Ostschweiz zumindest den Vorjahresumsatz erreichen wird. Ein Teil des Umsatzwachstums liegt aber an den Materialteuerungen und sagt nichts über die Ertragslage aus. Diese ist mehrheitlich ungenügend. Der Preiskampf ist trotz Fachkräftemangel teilweise ruinös. Es ist stetig zu beobachten, dass Firmen weite Anreisen in Kauf nehmen, um Aufträge zu ergattern.
Trüben die unsichere Konjunktur und die internationalen Handelskonflikte auch die Aussichten im Bauhaupt- und Baunebengewerbe in unserer Region?
Zolldiskussionen, Zinslagen und die angespannte Weltpolitik beeinflussen Investoren, Industrie sowie die öffentliche und private Hand gleichermassen und Investitionen werden gut überlegt getätigt. Das betrifft nicht nur das Bauhauptgewerbe, sondern auch das Baunebengewerbe.
Gibt es Unterschiede in der Ostschweiz, was die Bautätigkeit betrifft, beispielsweise zwischen der Region St.Gallen, Fürstenland oder Rheintal?
Es sind seit Jahren regionale Unterschiede zu verzeichnen. Im St. Galler Rheintal verlief der Start in die Bausaison 2025 aus verschiedenen Gründen weniger erfreulich als in anderen. In der Stadt St.Gallen fehlen nach der Fertigstellung des Ausbaus Kantonsspital und der OLMA-Messen grosse Nachfolgeprojekte und in der Region Fürstenland ist wie fast überall der Druck von Anbietern aus anderen Kantonen spürbar.
Wie verhält es sich mit dem Wohnungsbau in der Ostschweiz?
Der Wohnungsbau hat sich gesamtschweizerisch und auch im Kanton St.Gallen überraschend positiv entwickelt. Im ersten Quartal wurden über 100 Mio. umgesetzt, was ca. 35 Prozent über der Vorjahreszahl liegt. Auch beim Arbeitsvorrat ist im Wohnungsbau ein Plus zu verzeichnen. Trotzdem dürfte die Anzahl neu gebauter Wohnungenzu gering sein, um den Bedarf an zusätzlichen Wohnungen tatsächlich zu decken.
Private und öffentliche Hand erleben, dass Bauen immer teurer wird. Bestehen zu viele Vorschriften und Regulierungen, die das Bauen verteuern?
Der Hauptanteil für die starke Bauteuerung liegt in der Materialteuerung. Lag der Preis für einen Backstein vor Beginn des Ukrainekrieges im Jahr 2022 noch bei 1.04, betrug er ein Jahr später 1.60 Franken. Das entspricht einer Teuerung von über 50 Prozent und schlägt sich gerade im Wohnungsbau massiv nieder. Hinzu kommen Regulierungen wie im Bereich Arbeitssicherheit. Diese geniessen höchste Priorität, aber die Regulierungen erfordern immense Investitionen, die auf die Bauherrschaft überwälzt werden müssen.
Welche Rolle für die Teuerung spielt ein verknapptes Angebot, so dass der Wettbewerb nicht wirklich spielt?
Eine Auswirkung auf die Baukosten lässt sich daraus kaum ableiten. Wir haben schon von Projekten gehört, für die nur wenige Angebote eingegangen sind. Das liegt aber oft auch an den administrativen Anforderungen. Wenn für jedes Projekt seitenweise unnötige Bestimmungen zu lesen und zu erfüllen sind und unzählige Bestätigungen und Referenzen abgegeben werden müssen, schreckt das manche KMU ab.
Bautätigkeit kann auch durch Einsprachen bzw. Rekurse verhindert oder verzögert werden. Beobachten Sie eine Zunahme an Einsprachen?
Nebst dem Verzug bei der Ausarbeitung von Planunterlagen sind die Einsprachen das Hauptproblem für verzögerte Baubeginne. Einsprachen haben sich zum Trendsport entwickelt und gründen oft im Egoismus einzelner Parteien. Dies erschwert insbesondere die angestrebte innere Verdichtung. Das Verbandsbeschwerderecht ist zu diskutieren und Einsprachen sollten eine Gebühr kosten, die nur zurückerstattet wird, wenn der Einsprecher recht erhält.
Die St.Galler Gemeinden müssen bis 2027 ihre Ortsplanungsinstrumente überarbeiten. Stellen Sie diesbezüglich eine Unsicherheit fest?
Keine Gemeinde will Fehler machen und auch für den Kanton St.Gallen ist die Beurteilung nicht einfach. Ein Eingriff in die Gemeindehoheit wird nur wenig goutiert. Grosse Auswirkungen der Unsicherheiten sind bis jetzt zum Glück aber noch nicht spürbar.
Was würde es für Ihre Branche bedeuten, wenn die Bautätigkeit aufgrund regulatorischer Unsicherheit zurückgeht?
Ein Rückgang der Bautätigkeit hätte Auswirkungen auf die ganze Wirtschaft. Mit einem Anteil von 5 Prozent am BIP ist die Bauwirtschaft ein wichtiger Zweig. Steht die Bauwirtschaft still, geht es der ganzen Wirtschaft nicht gut.
⋌⋌Interview: Tobias Baumann
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