Brötli Wagä statt Äss-Bar
Der Verein Brötli Wagä führt das Konzept der Äss-Bar fort
Aufgrund der Pandemie musste die Äss-Bar in St.Gallen im November schliessen. Zwei Stammkunden und zwei ehemalige Mitarbeitende haben sich daraufhin entschlossen, das Konzept Bäckereiware vom Vortag zu einem günstigen Preis nochmals anzubieten mit einem eigenen Non-Profit-Verein weiterzuführen - mobil in einem Foodtruck.
Lebensmittel «Da es in St.Gallen aufgrund der Ost-West-Achse schwierig ist, genügend Kunden an einen Standort zu locken, versuchen wir es nun mit einem mobilen Foodtruck», erklärt Fabienne Moser, Biotechnologin und Mitgründerin des Vereins «Brötli Wagä», welcher im April ins Leben gerufen wurde. Anzutreffen ist der «Brötli Wagä» an verschiedenen Standorten wie beispielsweise beim Bahnhof Winkeln, beim Areal Bach, bei der Theater-Baustelle oder beim Wochenmarkt auf dem Marktplatz. «Da in St.Gallen Foodtrucks auf öffentlichem Boden nicht zugelassen sind, sind wir auf private Grundeigentümer angewiesen, die uns einen Platz zur Verfügung stellen», erklärt Moser.
Wichtiges Konzept aufrechterhalten
«Foodwaste ist einer der grössten Verursacher von Treibhausgasemissionen. Die Reduktion von Essensabfällen gilt als wichtigste Massnahme für den Klimaschutz im Bereich Food und als drittwichtigste Massnahme grundsätzlich», erklärt Bruno Dürr, Klimatologe und Mitgründer des Non-Profit-Vereins. Es gebe aber erst wenige Bestrebungen, die Lebensmittelverschwendung zu reduzieren. «Mit der Rettung der Äss-Bar hätte die Stadt St.Gallen einen wichtigen Beitrag hierzu leisten können. Nun versuchen wir es selbst», ergänzt Moser. Um dem Klimaschutz ein Stück näher zu kommen, sind alle Verpackungen des Brötli Wagä zu 100 Prozent aus natürlichen Rohstoffen hergestellt und biologisch abbaubar.
Feines Sortiment durch Partnerbäckereien
Zusammen mit den Partnerbäckereien würden sie jeweils ein Riesenangebot im Foodtruck zusammenbringen: «Unsere Partnerbäckereien Beerle, Kuhn, Lichtensteiger, Beck Näf, Beck Schläpfer und Stadt Bühl Beck versorgen uns jeweils mit Sandwiches, Brötchen und Broten, süssen und salzigen Wähen, Birchermüesli, Fertigsalaten, Desserts und vielem weiteren vom Vortag», erklärt Moser. Ausserdem würden die Esswaren, welche im Brötli Wagä nicht verkauft werden, an Essensabgabestellen verteilt - wie etwa beim Grossacker, an Bedürftige im Kantipark oder an Bauernhöfe in der Stadt für Brote und Brötchen. Die übrigen Reste werden an die Biogasanlage Jakob Bösch in Herisau geliefert.
Bald selbsttragend?
«Momentan beschäftigen wir sechs Mitarbeitende zu fair bezahlten Löhnen im Teilzeitpensum», so Moser. Momentan sei «Brötli Wagä» ein gemeinnütziger Non-Profit-Verein. Doch Moser hofft, dass sie bald kostendeckend und selbsttragend arbeiten können. Bis dahin sei der Verein um jede Spende froh. «Natürlich kann man bei uns auch Mitglied werden. Mitglieder erhalten Bons, die beim Brötli Wagä eingelöst werden können», so Moser. Ausserdem läuft bis Mitte August über lokalhelden.ch ein Crowdfunding: «Auch hier sind wir über jeden Zustupf froh, um bald mit einem eigenen Foodtruck unterwegs sein zu können», erklärt Moser. Momentan mieten sie noch einen Foodtruck der Äss-Bar Zürich.
Von Cynthia Sieber