Die Wittenbach Panthers (nicht vollständig) und Trainer Larry Castro auf dem Softballfeld der Sportanlage Grüntal in Wittenbach.
23.04.2025 14:17
Der Traum von Olympia 2028
Softball-Nationalmannschaft ist dank starker Panthers optimistischer denn je
Noch nie standen die Chancen für die Schweizer Softball-Nationalmannschaft besser, sich für die Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles zu qualifizieren. Einen grossen Anteil an diesen verbesserten Aussichten haben die Wittenbach Panthers. Gleich neun Spielerinnen des Ostschweizer Teams stehen mittlerweile im Nationalkader.
Softball «Es wird nicht leicht, aber ich glaube daran, dass wir uns qualifizieren können», sagt Kimberly Zehnder (28), Nationalspielerin und Captain der Wittenbach Panthers. Das Ziel ist ambitioniert: Nur acht Nationalmannschaften qualifizieren sich für die Olympischen Spiele 2028. Bedenkt man, dass die Schweiz derzeit den 33. Platz in der Weltrangliste belegt, könnte man das Vorhaben als unrealistisch bezeichnen. Dennoch herrscht im Schweizer Softballumfeld so viel Optimismus wie nie zuvor. Ein Grund für diese Zuversicht sind die jüngsten Entwicklungen der Nationalmannschaft. Im Jahr 2024 belegte die Schweiz an der Europameisterschaft im niederländischen Utrecht in einem Teilnehmerfeld von 21 Teams den 14. Schlussrang. Es ist das beste Resultat, das die Schweiz jemals bei einer Europameisterschaft erzielt hat. Doch nicht nur die Resultate bei internationalen Turnieren stimmen zuversichtlich: Auch in der Weltrangliste der World Baseball Softball Confederation hat sich die Schweiz stark verbessert. Zwischen 2023 und 2024 konnte sich die Schweizer Softball-Nationalmannschaft um neun Plätze verbessern – und steht nun auf Rang 33. Einzig Schweden hat in diesem Zeitraum noch stärkere Fortschritte erzielt.
Rasanter Aufstieg
Dass sich die Schweizer Softball-Nationalmannschaft in den letzten Jahren so stark verbessert hat, ist kein Zufall. Ein wesentlicher Faktor dafür ist die Gründung der Wittenbach Panthers. 2018 gründeten Kimberly Zehnder, ihre Schwester Michelle und ihre Mutter Christine das Softball-Team in Wittenbach. Zehnder und ihre Schwester spielten als Kinder Baseball in einer Jungs-Mannschaft in Wittenbach. Als sie jedoch körperlich nicht mehr mit den Jungs mithalten konnten, entschieden sie sich, eine Softballmannschaft zu gründen. Damit sie nicht nach Zürich fahren mussten, um Softball zu spielen, wurde mit Unterstützung der Gemeinde Wittenbach das erste reguläre Softballfeld der Schweiz gebaut. Das neue Feld zog nicht nur neue Spielerinnen an, sondern machte Wittenbach zu einem Zentrum für Softball in der Ostschweiz. «In der ersten Saison haben wir noch richtig auf die Kappe gekriegt. Doch wir lernten schnell», erinnert sich Zehnder. Nur drei Jahre nach der Gründung standen die Wittenbach Panthers 2021 erstmals im Playoff-Final der Schweizer Nationalliga A und sicherten sich den zweiten Platz. Die darauffolgenden Saisons waren noch erfolgreicher, als sich die Panthers zwei Jahre hintereinander den Titel des Schweizer Meisters holten. Die vergangene Saison verlief jedoch nicht ganz nach Plan: Im Oktober 2024 standen die Panthers erneut im Final, mussten sich aber den Barracudas aus Zürich geschlagen geben.
Dank Coach Castro an die Spitze
«Es bedeutet mir unglaublich viel, dass wir sieben Jahre nach der Gründung unserer Mannschaft bereits auf so viele Erfolge zurückblicken können. Es ist unglaublich, wie sehr wir uns verbessert haben und mit welcher Leidenschaft unsere Spielerinnen spielen», sagt Zehnder stolz. Ein Schlüssel zu diesem Erfolg ist Larry Castro, der Trainer der Panthers. Seit 2019 hat er das Team zu einem ernstzunehmenden Mitbewerber in der Nationalliga A geführt. «Castro ist einer der erfahrensten Softball-Trainer Europas. Unsere Spielerinnen beherrschen die Grundlagen und verfügen über eine überdurchschnittlich gute Technik. Das haben wir vor allem ihm zu verdanken », sagt Zehnder. Castro, der zuvor die italienische Nationalmannschaft betreut hatte und diese 2020 zu den Olympischen Spielen in Tokio führte, kehrte 2022 nach Wittenbach zurück, nachdem er zunächst 2019 für kurze Zeit die Panthers trainiert hatte. Seit 2024 ist er auch der Trainer der Schweizer Nationalmannschaft.
Doppelte Herausforderung
Eine Olympiateilnahme ist nun das grosse Ziel. Doch auch für den erfahrenen Castro ist die Aufgabe alles andere als leicht. «Die Schweiz hat viele talentierte Spielerinnen. Das Problem ist, dass unsere Spielerinnen noch zu wenige internationale Spiele gespielt haben. Uns fehlt die Erfahrung», erklärt Castro. Um mit den etablierten Softball-Nationen wie Italien und den Niederlanden mithalten zu können, sei es entscheidend, in den kommenden Jahren so viele Partien wie möglich gegen starke internationale Gegner zu spielen. Doch nicht nur sportlich, sondern auch finanziell wird die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2028 eine grosse Herausforderung. Bislang müssen die Spielerinnen der Nationalmannschaft einen Grossteil der anfallenden Kosten selbst tragen, da grosse Sponsoren fehlen. «Ich denke, wir sind nicht die einzige Randsportart, die damit zu kämpfen hat. Sponsoren konzentrieren sich auf die grossen Sportarten wie Fussball, Eishockey oder Ski Alpin. Das macht es schwieriger für uns, Geldgeber zu finden. Aber wir geben nicht auf», sagt Zehnder.
Selim Jung