«Wir haben nicht die Zeit, auf das Gesamtprojekt zu warten»
Die Schaukäserei muss die Erneuerung der Anlagen bereits jetzt umsetzen, auch wenn sich die Arealentwicklung noch in Planung befindet.
Die Schaukäserei muss die Erneuerung der Anlagen bereits jetzt umsetzen, auch wenn sich die Arealentwicklung noch in Planung befindet.
Arealentwicklung In Stein ist eine Arealentwicklung auf dem Gelände der Appenzeller Schaukäserei AG sowie des Appenzeller Volkskunde-Museums geplant. Die Vision nimmt immer mehr Gestalt an und soll den Betrieb nachhaltig sichern. So soll die Schaukäserei mit Restaurant und Shop künftig mit dem Museum den Besucherinnen und Besuchern ein ganzheitliches Erlebnis bieten. Dieses könnte mit einem Hotel ergänzt werden. Dort wo heute der Besucherparkplatz ist, könnten Wohnungen entstehen. «Auch eine neue Lösung für die Parkierung muss angedacht werden», sagt Ralph Böse, Geschäftsführer der Schaukäserei AG in Stein.
Bestandteil der Arealentwicklung wäre auch die Erneuerung der Käsereianlagen. Diese muss nun vorgezogen werden, denn die Anlagen haben das Ende ihrer Lebenszeit erreicht. Die technischen Kernanlagen sind über 30 Jahre in Betrieb und der Innenraum aus den 70er-Jahren wurde baulich nie erneuert. «Wir haben nicht die Zeit, abzuwarten, bis das Gesamtprojekt der Arealentwicklung fertig geplant ist. Das Risiko eines Produktionsausfalles wäre viel zu hoch. Die Menge an Appenzeller Käse, die hier produziert wird, ist das Kernstück des Erlebnisortes. Das setzt man nicht leichtfertig einem Risiko aus. Wenn ich keine Käserei mehr habe, fällt auch der touristische Part der Schaukäserei weg», so Böse. Jährlich werden 750 bis 800 Tonnen des Käses in Stein hergestellt, das seien rund acht Prozent des gesamten Marktvolumens von Appenzeller Käse.
Dass die Erneuerung der Käserei nun vor Fertigstellung der Pläne für die Arealentwicklung kommt, hat zwei Hauptgründe. «Wir haben viel höhere Unterhaltskosten, da es immer teurer wird, wenn etwas geflickt oder ersetzt werden muss – teilweise sind die Ersatzteile nicht mehr erhältlich», sagt Böse. Der zweite Grund, weshalb die Sanierung dringender wird: «Die Realisierung der Arealentwicklung unterliegt der Pflicht für einen Sondernutzungsplan. Ein solches Planverfahren benötigt mehrere Jahre, die für den Ersatz der Käsereianlagen nicht zur Verfügung stehen. Deshalb wurde für die Erneuerung im Februar ein Baugesuch aufgelegt.» Zwar könnten Anlagen im Innenbereich vermutlich auch in der Planungsphase der Arealentwicklung ersetzt werden, langfristig käme man aber so nicht auf eine saubere Lösung. Die Erteilung der Baubewilligung wird in den nächsten Wochen erwartet. «Vorausgesetzt die Finanzierung ist gesichert, starten wir mit der Erneuerung.» Das Fremdkapital, welches die Schaukäserei AG aufnehmen müsse, sollte gemäss Businessplan machbar sein, die Tragbarkeit sei gewährleistet. Der Umbau würde rund 6,8 Millionen Franken kosten. «Wenn alles so läuft, wie erhofft, möchten wir im Frühjahr 2027 mit den Aussenarbeiten im hinteren Teil des Hauses starten», so Böse. Dort werden ein sicherheitsoptimiertes Lager für Reinigungsmittel, ein Produktionsraum und Pausenräume entstehen. Die Milch- und Schottelogistik wird nach vorne ans Gebäude zur Strasse hin verlegt. «Das macht es für die Lieferantinnen und Lieferanten einfacher.» Zwischen Winter 2027 und Frühjahr 2028 soll dann der Innenausbau erfolgen, bei dem die Anlagen ersetzt werden.
In der fünfmonatigen Bauzeit muss die Milchverarbeitung ausgelagert werden. Wo das sein wird, ist im Moment noch unklar. Auch wenn es zu einem Betriebsunterbruch in der Käseproduktion kommt, werden Shop, Restaurant und Schaubereich geöffnet sein. Geplant ist, dass im April 2028 die neuen Anlagen in Betrieb genommen werden. «Parallel zur Erneuerung der Käserei laufen die Planungsarbeiten für das Gesamtprojekt weiter, denn die nachhaltige Arealentwicklung liegt der Appenzeller Schaukäserei AG, der Standortgemeinde Stein und allen weiteren beteiligten Organisationen sehr am Herzen», so Böse.
Die Arealentwicklung mit Museum, Käserei samt Erlebnis und Restaurant mit Hotel, wird laut Böse circa 27 Millionen Franken kosten. «Abzüglich der Erneuerungskosten für die Käserei wären wir dann bei rund 20 Millionen.» Das ist jedoch ein erster grober Überschlag. Würde eine Wohnüberbauung dazukommen, wären die Baukosten deutlich höher; gleichzeitig könnten die Wohnbauten auch für die Refinanzierung der Erlebniswelt genutzt werden. «Derzeit ist noch vieles offen und es ist nicht in allen Details klar, was alles realisiert werden kann», so Böse. Die Begeisterung für das Projekt sei gross, auch wenn viele Herausforderungen anstehen. Bei einer Wohnüberbauung bräuchte es eine neue Parkierungslösung – der Untergrund im Areal ist relativ instabil, weshalb die Idee für eine Tiefgarage aus Kostengründen mehr oder weniger vom Tisch ist. «Wie eine neue Lösung aussieht, ist noch offen», sagt Böse. Was klar ist: Die Schaukäserei und wesentliche Teile des Volkskunde-Museums sollen zu einer Einheit verschmolzen werden. «Thematisch wird auf dem Erlebnisrundgang auf ein gemeinsames Thema mit der Live-Produktion von Appenzeller Käse als Kern- und Ankerpunkt fokussiert: alle «Geheimnisse» rund um die Vieh-, Milch- und Käsewirtschaft des Appenzellerlands. Das Museum beherbergt eine Sammlung an Bauernmalereien, die der Stiftung für appenzellische Volkskunde gehört. Diese wird in der Neugestaltung eine zentrale Rolle spielen. Das Museum würde Mieterin werden. Das wäre für das Museum eine Erleichterung, da es finanziell zu kämpfen hat», sagt Böse. Die Schaukäserei AG kann ein solches Projekt nicht allein finanzieren. «Wir brauchen Investoren und müssen eine Aktienkapitalerhöhung vornehmen», sagt er.
Im Hotel ist vieles angedacht, so zum Beispiel Themenzimmer und Molke-Wellness-Angebote. «Ich kenne in der Region kein Hotel mit einem solchem Molke-Angebot aus eigener Produktion, das wäre ein klares Alleinstellungsmerkmal», ist Böse überzeugt. Die Schaukäserei AG strebt eine Aktienmehrheit im Hotel an, auch die Übernahme des Hotelbetriebs. «Das muss aus einer Hand kommen, für Gäste soll klar sein, dass alles zusammengehört», sagt Böse. Heute müssen Touristen und Gäste an zwei Schaltern Tickets für Museum und Schaukäserei kaufen. Das soll sich ändern: mit einer gemeinsamen Plattform für Hotel, Museum und Schaukäserei. Braucht es denn in Stein ein Hotel? «Das Appenzellerland ist eine beliebte Tourismusdestination. Hotels, welche die heutigen Bedürfnisse zeitgemässe Unterkunft gewährleisten, dürfen auch eine gute Auslastung verzeichnen. Der Tourismus in der Ostschweiz verändert sich, der Aufschwung ist da und viele weichen von sehr gut besuchten Destinationen auf andere Regionen aus», sagt Böse. Noch ist unklar, wann die Arealentwicklung Realität werden kann. Böse spricht schätzungsweise vom Jahr 2031. «Wenn es um Arealentwicklung geht, muss man sich auf einen Marathon einstellen.» Derzeit läuft die Vorbereitung für ein Varianzverfahren mit mehreren Studienaufträgen. «2027 soll ein Vorprojekt vorliegen.» Man wolle, dass ein touristisch attraktives Gesamtpaket entstehen könne.
Stefanie Rohner
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