An der Kinderkonferenz lernen die Kinder, für ihre Bedürfnisse einzustehen. z.V.g.
15.04.2026 12:48
«Kinder sollen Dinge hinterfragen»
Die Kinderkonferenz ermutigt Kinder, für ihre Rechte einzustehen
Wie erleben Kinder ihre Rechte und was möchten sie ändern? An der Kinderkonferenz 2026 im Kinderdorf Pestalozzi sind rund 40 Kinder aus der ganzen Schweiz genau diesen Fragen nachgegangen. Am 22. April treffen Sie im Bundeshaus auf Politikerinnen, denen sie ihre Forderungen unterbreiten können.
Kinderkonferenz Die Schülerinnen und Schüler der der vierten bis sechsten Primarschulklasse setzten sich an der Kinderkonferenz im Kinderdorf Pestalozzi mit ihren Rechten auseinander, brachten dabei verschiedene Lebensrealitäten und Perspektiven ein und erarbeiteten Forderungen an Gesellschaft und Politik. Im Fokus standen Themen, die sie im Alltag beschäftigen: von Schule und Leistungsdruck bis hin zu mentaler Gesundheit, Umwelt und dem Zusammenleben. «Kinder aus der Schweiz sollen die Möglichkeit haben, das politische System und die Demokratie zu verstehen – insbesondere ihre eigenen Rechte. Die Kinderkonferenz stellt die Beteiligung der Kinder in den Fokus», sagt Adrian Strazza, Leiter Geschäftsentwicklung im Kinderdorf Pestalozzi.
Was fordert Kinder heraus?
In Trogen fokussiert sich die Arbeit sehr stark auf die Rechte der Kinder und weshalb es diese braucht. Die Kinderkonferenz ist eines der Angebote dafür und wird seit 2016 durchgeführt. «Wir möchten erreichen, dass die Kinder lernen, worauf sie ein Recht haben. Menschen- und Kinderrechte sind für sie ein abstraktes Konstrukt, dass es zu erläutern und greifbar zu machen gilt», sagt Strazza. Doch warum ist es so wichtig, dass Kinder ihre Anliegen selbst formulieren und nicht Erwachsene stellvertretend für sie sprechen? «Entscheidungen, die sie betreffen, sollten auch von und mit ihnen diskutiert werden. Wir zeigen ihnen, dass es legitim ist, Dinge zu hinterfragen – das regt zum Nachdenken an und zur Verbesserung von Situationen. Sie sollen für sich herausfinden, welche Ideen und Verbesserungen sie für das gesellschaftliche Zusammenleben haben», meint Strazza. Die geltenden Kinderrechte würden in der Schweiz gut um- und durchgesetzt, es seien aber längst nicht alle maximal erfüllt. «Deshalb müssen wir die Kinder fragen, was sie gerade herausfordert und wie sie zu Situationen in ihren Lebensumständen stehen.
Zugang zur Zielgruppe ist wichtig
Die Kinderkonferenz im Kinderdorf Pestalozzi ist in dieser Form die einzige in der Deutschschweiz, in der Westschweiz wird eine solche in ähnlicher Form durchgeführt. Ohne die finanzielle Unterstützung durch das Bundesamt für Sozialversicherung, welches die Hälfte der Projektkosten trägt, wäre eine Durchführung nicht möglich. «Derzeit investiert die Gesellschaft deutlich mehr in die Sicherheit, das könnte zu Lasten von Kindern und Jugendlichen gehen. Die Finanzierung steht auf wackeligen Beinen und wir reichen jedes Jahr einen Antrag für Fördergelder ein. Nun kommen erste Hinweise zu Budgetkürzungen», meint Strazza. Würde die Kinderkonferenz wegfallen, würde der Zugang zur Zielgruppe fehlen, die von der Thematik betroffen sind. «Man würde die Chance vergeben, die Stimmen und Ideen der Kinder abzuholen. Natürlich werden Kinderrechte teilweise in der Schule abgehandelt, aber nicht so breit, wie wir das hier können», meint Strazza. Kinder, die in Trogen an der Konferenz waren, können im Anschluss die Ergebnisse in ihre Klassen tragen und Wissen über Kinderrechte weitergeben.
Forderungen an die Nationalräte
Die Kinderkonferenz soll langfristig das Interesse für Gemeinschaft wecken – vor allem im Kontext des Schweizer Milizsystems. «Die Kinder sollen erleben, dass Teilhabe wichtig ist und Veränderungen im positiven Sinn bringen können. Die Bereitschaft zur Dialogfähigkeit der Kinder soll gestärkt werden, um Kindern zu ermöglichen, in Diskurse zu gehen», meint Strazza. So sollen sie lernen, dass man nicht gleicher Meinung sein muss, um gemeinsam auf eine gute Lösung zu kommen. Am 22. April reisen die Kinder aus der West- und Deutschschweiz nach Bern und treffen zwei Personen aus dem Nationalrat. «Wir bereiten sie vor und moderieren die Begegnung, an der sie Fragen stellen und Forderungen ausformulieren können», meint Strazza.
Stefanie Rohner