Ist ein kantonales Handyverbot nötig?
Am Freitag hat die Junge SVP Säntis (JSVP Säntis) die Initiative «Keine Bildschirmzeit auf dem Pausenplatz (Handyverbots-Initiative)» eingereicht.
v.l: Dario Rothauer, Auryn Huber, Fabienne Mazenauer und Moritz Ribi übergaben am Freitag die Handyverbotsinitiative an Ratschreiber Roger Nobs (vorne rechts) Bild: sro
Am Freitag hat die Junge SVP Säntis (JSVP Säntis) die Initiative «Keine Bildschirmzeit auf dem Pausenplatz (Handyverbots-Initiative)» eingereicht.
Initiative Die Initiative wurde am 8. November 2025 auf Wunsch der Mitglieder der JSVP Säntis lanciert und verfolgt das Ziel einer kantonal einheitlichen Regelung, wonach Schülerinnen und Schüler ihre privaten elektronischen Geräte während Unterricht und Pausen grundsätzlich nicht benutzen dürfen. Das soll das Miteinander auf dem Pausenplatz stärken. «Das grosse Problem, das wir sehen ist, dass die Jugendlichen immer mehr Zeit am Handy verbringen, auch in der Pause ausserhalb des Unterrichts. Das ist deshalb ein Problem, da man auch im Unterricht digitalisierter lehrt, sprich die Schülerinnen und Schüler auch dort ständig in einen Bildschirm schauen», sagt Fabienne Mazenauer, Präsidentin der JSVP Säntis. Seien die Schüler dann in der Pause am Handy, seien sie konstant einem Bildschirm ausgesetzt. «Das birgt ein Suchtpotenzial und schwächt soziale Kontakte», so Mazenauer. Es soll aber Ausnahmeregelungen geben dürfen. «Es sollte weiter in der Kompetenz der Lehrpersonen sein, Ausnahmen zu bestimmen, wenn zum Beispiel Handys für den Unterricht gebraucht werden», sagt Mazenauer. Es müssten immer Ausnahmeregelungen geben können, ansonsten sei das Verbot zu restriktiv.
Aktuell ist es so, dass die Schulleitungen selbst die Regeln zur Handynutzung festlegen. In vielen Gemeinden ist die Nutzung des Handys während dem Unterricht und in den Pausen bereits untersagt. So auch in Herisau. «In Herisau müssen die Handys während der Schulzeit ausgeschaltet, nicht sicht- und hörbar sein», sagt Irene Hagmann, Gemeinderätin und Ressortchefin Schule. Sollte dennoch eines klingeln, wird es eingesammelt und nach dem Unterricht wieder gemäss Abmachung zurückgegeben. «Kommt das mehrmals vor, entscheidet die Lehrperson, ob und welche Konsequenten es gibt», sagt Hagmann. Die Kinder sollen lernen, mit dem Verbot umzugehen. Bislang habe man durch Lehrpersonen die Rückmeldung, dass es vereinzelt Lernende gäbe, die sich ab und an nicht daran halten würden.
«An den jährlichen Sitzungen mit Vertreterinnen und Vertretern des Elternforum pflegen wir einen guten Austausch, auch die Handynutzung war ein Thema. So empfehlen wir, dass Kinder erst ab der Oberstufe ein eigenes Handy besitzen sollten.», so Hagmann. Studien würden zeigen, dass die Kinder bis dahin noch zu wenig reif für die Nutzung seien. Hagmann meint, dass es in Herisau und anderen Gemeinden bereits gut funktioniere und kantonale Vorgaben daher nicht nötig seien. «Klar kommt es vor, dass sich Schülerinnen und Schüler nicht daran halten, das wäre aber auch mit einem kantonalen Verbot nicht anders», so Hagmann. Ausserdem wisse man nicht, was in einigen Jahren sei und auf welchem technischen Stand man sich dann befinde. «Beispielsweise gibt es Smartwatches, die im Grunde wie kleine Computer oder Mobiltelefone am Handgelenk funktionieren. Davon war im Initiativtext nicht die Rede», so Hagmann. In Herisau sei es derzeit so geregelt: «Smartwatches gelten bei uns als digitale Endgeräte und unterliegen denselben Regeln wie Smartphones. Ausgeschlossen davon sind reine 'Fitness'-Tracker, diese dürfen jedoch auch weder Geräusche von sich geben noch oben genannte Funktionen besitzen.»
Die JSVP Säntis erachtet es allerdings als sinnvoller, dass die Handynutzung kantonal geregelt wird. «Sonst hat man in den Schulen unterschiedliche Nutzungsregeln. Wenn schon, soll für alle dasselbe gelten und es für Schulen klar ist, wie die Sache zu handhaben ist», sagt Mazenauer. Kritikerinnen und Kritiker sagen, dass ein Verbot das Problem nicht löse, sondern verlagere. Am Beispiel Cybermobbing sei dies ersichtlich, das könne auch nach der Schule stattfinden. «Klar, das kann immer passieren. Aber wenn man den Gebrauch in der Schule einschränkt, können dort keine Fotos entstehen, mit denen dann Mobbing stattfindet», sagt Mazenauer. Wie die Lehrpersonen ein Handyverbot durchsetzen sollten, wurde von der JSVP Säntis nicht näher definiert. «Diese Regelung müsste im Gesetz ausgehandelt werden. Ob die Handys eingesammelt oder ob diese in einzelne Taschen verstaut werden, soll in der Entscheidungskompetenz der Schulen liegen», meint Mazenauer. Der Schulweg und was die Kinder auf diesem machen, liegt in der Verantwortung der Eltern. «Diesen würde ich beim Verbot ausschliessen, der Weg ist auch nicht in der Verantwortung der Schule. Dort dürfte ein Verbot auch nicht sinnvoll sein, da die meisten das ÖV-Abo auf dem Handy haben. Das einzuschränken, führt zu nichts», meint Mazenauer.
Hagmann sagt ebenfalls, da der Schulweg nicht in der Verantwortung der Schule sei, könne man den Eltern nicht reinreden. «Ausserdem kommt es immer öfter vor, dass Kinder nach dem Unterricht direkt ins Training oder sonst irgendwo hin gehen müssen. Eltern wollen vermehrt, dass ihr Kind das Handy dabei hat und erreichbar ist», sagt die Gemeinderätin. Den Punkt des Cybermobbings spricht sie ebenfalls an. Hagmann betont, dass das Thema ernst genommen werde und man in Herisau dabei auf Prävention setze. «Es ist auch – nebst der Verantwortung durch die Eltern – eine Aufgabe der Schule, Kinder über Cybermobbing oder der Suchtgefahr durch Handys aufzuklären. Auch darüber, welche Plattformen und Seiten es gibt und worauf man achten sollte. Ein Handyverbot löst das nicht, zu Hause hat man das Handy ja wieder bei sich», sagt Hagmann. Bei einem kantonalen Verbot müsse zudem geregelt werden, wie kontrolliert wird und welche Strafen anfallen.
«Da kann es – je nach Lösung – auch zu Mehrkosten für Schulen kommen, sollten neue abschliessbare Kästen für Handys nötig sein, das wäre vor allem für grosse Schulgemeinden teuer. Wer trägt die Verantwortung für die Geräte wenn diese nicht weggesperrt sind?», gibt Hagmann zu bedenken. Eine übermässige Handynutzung sei zudem kein Schulproblem, sondern ein gesellschaftliches Problem. «Wichtig ist, dass wir alle mehr Eigenverantwortung übernehmen und unsere eigene Handynutzung kritisch hinterfragen – schliesslich wirken Erwachsene als Vorbilder. Medienkompetenz ist ein sehr wichtiges Thema, bei dem auch Eltern darauf achten müssen, welche Inhalte ihre Kinder auf welchen Plattformen konsumieren», betont Hagmann.
Die Ressortchefin betont, dass es unabdingbar sei, das Thema auf dem Tisch zu behalten. Nicht nur die Regelungen der Handynutzung, sondern die gesamte Thematik. «Wir führen regelmässig Vorträge mit Fachpersonen für Eltern durch. Dabei informieren wir über neue Apps und Plattformen sowie darüber, wo sich Kinder und Jugendliche online bewegen. Gleichzeitig zeigen wir auf, wie die Nutzung gezielt eingeschränkt werden kann», so Hagmann. So handhabe man es auch mit den persönlichen Geräten der Schule (iPads). Die Kinder können sie, mit Zustimmung der Eltern, für schulische Aufgaben nach Hause nehmen. Sie sind ab 20 bis 7 Uhr nicht nutzbar, zudem seien viele potenziell problematische Dienste gesperrt. Bei einem kantonalen Verbot befürchtet sie jedoch, dass mehr Arbeit und Verantwortung auf Lehrpersonen lasten würde und sich die Nutzung von Geräten allein durch ein Verbot kaum verändern würde – zumindest nicht in Herisau, wo es heute gut funktioniere.
Stefanie Rohner
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