Einkaufen ohne Ladenschluss – Migros geht neue Wege
Ab Juli kann man in der Migros an der Alpsteinstrasse Herisau rund um die Uhr einkaufen. Der Gewerkschaftsbund St. Gallen-Appenzell findet das unnötig.
Ab Juli kann man in der Migros an der Alpsteinstrasse Herisau rund um die Uhr einkaufen. Der Gewerkschaftsbund St. Gallen-Appenzell findet das unnötig.
Detailhandel Eigentlich hätte die Filiale an der Alpsteinstrasse bereits letzten Sommer den 24-Stunden-Betrieb gestartet – eine Einsprache gegen das Gesuch für die baulichen Massnahmen und die veränderte Nutzung hat das damals verhindert. Wie die «Appenzeller Zeitung» schreibt, konnte die Einsprache behoben werden und eine Betriebsbewilligung liegt vor. Die Filiale ist schweizweit die erste der Migros, die rund um die Uhr offen hat. Geplant ist, dass weitere Standorte in der Ostschweiz und in Graubünden nachziehen. Das Modell funktioniert folgendermassen: Während der gängigen Öffnungszeiten bleibt das Geschäft bedient, nach Ladenschluss soll die Filiale in den Selbstbedienungsmodus wechseln. Die Kundschaft kann mit ihrer Debit- oder Kreditkarte sowie Cumulus-Code Zutritt zum Selbstbedienungsladen erlangen. Bezahlt wird an den Self-Checkout-Kassen oder via Mig-ros-App. Die Filiale ist video- und sensorüberwacht, eine Notrufzentrale ist rund um die Uhr erreichbar. Die Mitarbeitenden können wie gewohnt um 19 Uhr Feierabend machen. «Filialleitung und das Team werden vor Ladenschluss die Regale auffüllen und am Morgen mehr Zeit dafür einplanen, alles andere bleibt unverändert», sagte Silke Seichter, Projektleiterin Kommunikation der Genossenschaft Migros Ostschweiz im Oktober letzten Jahres gegenüber dieser Zeitung.
Wie die «Herisauer Nachrichten» im vergangenen Oktober darüber berichteten, hätten die Kundinnen und Kunden der Migros-Filiale an der Alpsteistrasse auch an Feiertagen Zutritt zur Filiale.
«Die Migros Alpsteinstrasse wird zur Sicherheit unserer Kundinnen und Kunden komplett video- und sensorüberwacht sein, eine Notrufzentrale ist rund um die Uhr erreichbar und nimmt auch selbst über Lautsprecher Kontakt mit den Kundinnen und Kunden auf, wenn die Sicherheitssysteme eine Bedrohung oder Notfallsituation registrieren, beispielsweise eine gestürzte Person», sagte Seichter letztes Jahr. Die Aktivierung der Zutritts- und Überwachungstechnologien, dank derer der Supermarkt zum Selbstbedienungsladen wird, würde jeweils nach Ende des bedienten Betriebs erfolgen.
Nun meldet sich der Gewerkschaftsbund St. Gallen-Appenzell zur Wort. Sie lehnen die 24-Stunden-Filiale ab. «Es braucht keine Selbstbedienungsläden die 24 Stunden, sieben Tage die Woche geöffnet sind. Solche Geschäftsmodelle, der grossen Ladenketten schaden uns allen, schaffen neue Probleme und benachteiligen die kleinen und mittleren Läden, die sich solche Öffnungszeiten nicht leisten können und wollen», heisst es in der Mitteilung. Mit solchen Läden wie in Herisau, werde eine neue Kategorie Arbeitnehmende geschaffen.
Denn auch solche Supermärkte bräuchten Personal. «Wer sonst füllt Regale auf, putzt oder betreut die Kundschaft bei Problemen? Ausserdem gehen die betroffenen Mitarbeitenden über das Verkaufspersonal hinaus», schreibt der Gewerkschaftsbund. Denn auch die verbundenen Dienstleistungen, etwa Mitarbeitende in Logistik, IT, Lieferungen, Reinigung, Sicherheit und so weiter seien betroffen. «Auch diese Beschäftigte könnten rund um die Uhr zu Arbeiten herangezogen werden (Pikettdienst, Abruf). Das führt zu vielen Grauzonen, es wird immer schwieriger zu kontrollieren, wer sonntags arbeiten darf – wie zum Beispiel ein Sicherheitsdienst», so die Gewerkschaft. Der Gewerkschaftsbund St. Gallen-Appenzell werde die Ausdehnung der Ladenöffnungszeiten, gemeinsam mit den zuständigen Gewerkschaften, kritisch verfolgen und wenn nötig, entsprechende politische Massnahmen ergreifen.
«Gerade Frauen tragen die Hauptlast solcher Entwicklungen. Sie arbeiten überdurchschnittlich oft in Teilzeit, in tiefen Lohnklassen und in Berufen mit unregelmässigen Arbeitszeiten. 24/7-Modelle verschärfen diese Belastung zusätzlich. Wer Familie, Betreuungspflichten und Erwerbsarbeit vereinbaren muss, wird durch solche Öffnungszeiten noch stärker unter Druck gesetzt», sagt Sara Grob, Vizepräsidentin des Gewerkschaftsbund St. Gallen-Appenzell.
Für den Gewerkschaftsbund St. Gallen-Appenzell ist klar, dass es solche Ausdehnungen der Ladenöffnungszeiten nicht brauche und spricht sich klar gegen die «unnötige» 24/7 Ladenöffnung aus. «Wer heute schon unter prekären Arbeitszeiten, tiefen Löhnen und fehlender Planbarkeit leidet, wird durch 24/7-Modelle noch stärker unter Druck gesetzt. Gleichzeitig wollen bürgerliche Kreise in Bern auch noch die Sonntagsarbeit weiter ausweiten, ein direkter Angriff auf die Erholungszeit und die Gesundheit der Beschäftigten. Die 24/7 Läden tragen zu dieser gefährlichen Entwicklung bei», sagt Florian Kobler, Präsident des Gewerkschaftsbundes St. Gallen-Appenzell.
Stefanie Rohner
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